Myome
40 bis 80 Prozent aller Frauen haben irgendwann im Leben Myome – viele, ohne es zu wissen. Denn Myome sind oft nur winzig klein und verursachen keine oder kaum Beschwerden. Doch werden sie – zum Beispiel als Zufallsbefund bei einer Routineuntersuchung – entdeckt, löst die Diagnose bei vielen Frauen Unsicherheit aus: Ist das gefährlich? Können Myome bösartig werden? Was bedeuten sie für meinen Körper, meinen Alltag? Und kann ich trotzdem (noch) Kinder bekommen?

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Lesedauer 10 Min.
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22.9.2026

Was sind Myome?
Myome – medizinisch auch Uterusfibrome genannt – sind gutartige Wucherungen aus Muskelgewebe, die sich in oder an der Gebärmutter entwickeln. Sie können ziemlich unangenehm sein, ja, manchmal auch ganz schön schmerzhaft. Aber sie sind kein Krebs, und aus ihnen kann auch keiner entstehen. Sie bestehen aus denselben Muskelzellen wie die Gebärmutterwand selbst, sind nur eben dort entstanden, wo sie eigentlich nicht hingehören, und wachsen manchmal zu kleinen oder auch größeren Knoten heran.
Wo können Myome sitzen?
Die Wand der Gebärmutter besteht hauptsächlich aus Muskeln – innen ausgekleidet von Schleimhaut, außen umhüllt von einer dünnen Gewebeschicht. Je nachdem, wo ein Myom wächst, hat es einen anderen Namen.
- Intramurale Myome sitzen in der Muskelschicht der Gebärmutter.
- Subseröse Myome wachsen an der äußeren Wand der Gebärmutter.
- Submuköse Myome sitzen direkt unter der Schleimhaut der Gebärmutter.
- Zervixmyome wachsen innerhalb der Muskelschichten des Gebärmutterhalses (Zervix).
- Intraligamentäre Myome wachsen im Bindegewebe neben der Gebärmutter.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genaue Ursache von Myomen ist bis heute nicht vollständig geklärt. Was die Forschung aber sicher weiß: Die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron fördern das Wachstum. Das erklärt, warum Myome vor allem in den fruchtbaren Jahren zwischen Pubertät und Wechseljahren auftreten und nach den Wechseljahren, wenn die Hormonproduktion langsam nachlässt, wieder schrumpfen oder sogar verschwinden.
Auch die familiäre Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen: Hatten Mutter oder Schwester Myome, ist das Risiko etwas erhöht. Weitere Faktoren, die mit einem höheren Risiko in Verbindung gebracht werden:
- Kinderlosigkeit: Frauen, die noch nicht geboren haben, sind häufiger betroffen. Als Erklärung gilt vor allem die fehlende hormonelle Unterbrechung durch Schwangerschaften: Ohne diese Pausen bleibt der Einfluss von Östrogen kontinuierlich hoch – und Östrogen fördert das Myomwachstum. Darüber hinaus gehen manche Theorien davon aus, dass die strukturellen Umbauprozesse der Gebärmutter während und nach einer Schwangerschaft – etwa durch veränderte Durchblutung oder Gewebeumbau – einen gewissen Schutzeffekt haben könnten.
- starkes Übergewicht: vermutlich, weil Körperfett die Östrogenproduktion anregen kann
- Hautfarbe: Aus noch nicht vollständig geklärten Gründen entwickeln Frauen mit dunkler Haut häufiger und teils auch ausgeprägtere Myome.
Wichtig: Auch wenn einer oder mehrere dieser Faktoren zutreffen, bedeutet das keineswegs, dass sich zwangsläufig Myome entwickeln. Umgekehrt können die Wucherungen aber auch bei Frauen auftreten, die keinerlei Risikofaktoren aufweisen.
Typische Beschwerden und Folgen von Myomen
Viele Myome verursachen überhaupt keine Beschwerden. Wenn sie sich doch bemerkbar machen, dann häufig mit diesen Symptomen:
- sehr starke oder besonders lange Periodenblutungen: Manche Frauen berichten von Blutungen, die so stark sind, dass sie kaum das Haus verlassen – mit häufigem Wechsel von Binde oder Tampon, manchmal auch nachts. Halten starke Blutungen über längere Zeit an, kann das Folgen haben: Blutarmut (Anämie) und Eisenmangel – mit Müdigkeit, Erschöpfung und Blässe als spürbare Zeichen.
- starke, krampfartige Regelschmerzen: Kein leichtes Ziehen, sondern stechende Schmerzen, die in den Rücken oder die Oberschenkel ausstrahlen können und manchmal tagelang anhalten.
- Druck- und Schweregefühl im Unterleib: Viele Frauen beschreiben ein ständiges Ziehen, Drücken oder eine Schwere, manchmal auch unabhängig von der Periode.
- häufiger Harndrang oder Verstopfung: Größere Myome können auf benachbarte Organe drücken – auf die Harnblase oder den Darm. Das kann sich durch häufigen Harndrang, das Gefühl, die Blase nie ganz leeren zu können, oder durch Verstopfung und ein Völlegefühl im Bauch bemerkbar machen.
Regelschmerzen: Was ist normal?
Dass die Periode schmerzhaft sein kann, ist weit verbreitet. Aber es gibt einen Unterschied zwischen unangenehmen Beschwerden und Schmerzen, die so schlimm sind, dass sie Lebensqualität kosten. Wer regelmäßig Schmerzmittel braucht, sich krankmelden muss oder Pläne absagen muss, weil die Beschwerden zu stark sind, dem sei gesagt: Das ist nicht einfach hinzunehmen. Das verdient einen Besuch bei der Ärztin oder dem Arzt.
Myome und Fruchtbarkeit
Wenn bei Ihnen Myome festgestellt wurden und Sie sich Kinder wünschen, liegen Ihnen vermutlich diese zwei Fragen gerade am meisten auf der Seele:
Kann ich trotz Myomen schwanger werden?
Kann ich trotz Myomen schwanger werden?
Die Statistik ist beruhigend: Die allermeisten Frauen mit Myomen werden problemlos schwanger. Fachleute schätzen, dass nur bei etwa 1 bis 2 Prozent der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch Myome tatsächlich der Grund sind. Wie relevant sie in Ihrem Fall sind, hängt von ihrer Lage und Größe ab – das lässt sich mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt gut besprechen und einschätzen.
Können Myome zu Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt führen?
Können Myome zu Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt führen?
Bei den meisten Frauen verlaufen Schwangerschaft und Geburt trotz Myomen völlig normal – das vorweg. Es gibt aber Situationen, die etwas mehr Aufmerksamkeit brauchen: Myome in der Gebärmutterwand oder direkt unter der Schleimhaut können in manchen Fällen das Risiko für Fehlgeburten erhöhen. Auch das Risiko für eine Frühgeburt kann leicht erhöht sein, wenn in der Gebärmutter viele oder sehr große Myome sitzen. Und ein Myom direkt am unteren Ende der Gebärmutter kann bei der Geburt die Passage des Babys ins Becken erschweren – dann wird meist ein Kaiserschnitt notwendig. Aber der ist heutzutage für die Ärztinnen und Ärzte Routine.
Wie werden Myome festgestellt?
Die Diagnose ist in der Regel unkompliziert: Größere Myome können Ärztinnen und Ärzte manchmal bereits von außen ertasten. Am häufigsten werden Myome aber per Ultraschall entdeckt – entweder über die Bauchdecke oder, für ein genaueres Bild, über die Vagina (sogenannte transvaginale Sonografie). Diese Untersuchung ist zwar ungewohnt, aber nicht schmerzhaft, und sie liefert sehr genaue Bilder.
Wenn eine weitere Abklärung nötig ist – zum Beispiel um Größe und Lage sehr genau zu bestimmen oder um zwischen verschiedenen Gewebeveränderungen zu unterscheiden –, kann auch eine Kernspintomografie (MRT) sinnvoll sein. Das MRT ist eine strahlungsfreie Bildgebung, die sehr detaillierte Aufnahmen liefert.
Myome behandeln: Was sind die Möglichkeiten?
Myome müssen nicht immer behandelt werden. Wenn sie keine Beschwerden machen und weder Fruchtbarkeit noch Schwangerschaft beeinträchtigen, ist Abwarten mit regelmäßigen Kontrollen oft die klügste Entscheidung.
Ist aber doch eine Behandlung sinnvoll, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Welche die richtige für Sie ist, hängt von vielem ab: von der Größe, Lage und Anzahl der Myome, von Ihren Beschwerden und davon, ob Sie sich noch ein Kind wünschen.
Hormonelle Behandlungen
- Hormonelle Verhütungsmittel: (z.B. Hormonspirale, Pille, Minipille) hemmen den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Dadurch können Myome zwar nicht geheilt werden, aber starke Blutungen und damit einhergehende Krämpfe und Schmerzen reduziert werden.
- Eine andere Gruppe von Hormonen – sogenannte GnRH-Agonisten oder GnRH-Antagonisten – bremsen die körpereigene Östrogenproduktion. Da Östrogen das Wachstum von Myomen fördert, können diese Wirkstoffe Myome vorübergehend schrumpfen lassen und Beschwerden lindern. Sie werden als Spritze oder Nasenspray verabreicht – wegen möglicher Nebenwirkungen aber nur für einen begrenzten Zeitraum: Sie können wechseljahrsähnliche Beschwerden auslösen, wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche und Kopfschmerzen.
Interventionelle Therapie
- Myomektomie: ist der Fachbegriff für die operative Entfernung einzelner Myome, während die Gebärmutter erhalten bleibt. Das kommt vor allem für Frauen infrage, die noch schwanger werden möchten. Kleine Myome können häufig über eine Gebärmutterspiegelung oder eine Bauchspiegelung entfernt werden. Bei sehr großen, zahlreichen oder ungünstig gelegenen Myomen kann auch ein Bauchschnitt erforderlich sein.
- Bei der Hysterektomie: wird die Gebärmutter vollständig entfernt. Sie ist die einzige Methode, die Myome mit Sicherheit dauerhaft beseitigt. Aber: Nach einer Hysterektomie ist keine Schwangerschaft mehr möglich – die Entscheidung sollte daher gut durchdacht sein. Hinzu kommt, dass der Abschied von der Gebärmutter emotional sehr viel bedeuten kann: Für viele Frauen ist das Organ ein wichtiger Teil ihres Körpers und weiblichen Selbstgefühls. Aber auch das ist möglich: Viele Frauen berichten nach der Operation von einer großen Erleichterung: keine Menstruation und keine Beschwerden mehr.
- Die Myomembolisation: ist ein schonenderes Verfahren, bei dem über einen kleinen Einstich in der Leiste ein dünner Katheter in die Blutgefäße, die das Myom versorgen, eingeführt wird. Diese Gefäße werden dann gezielt verschlossen – das Myom schrumpft, weil es nicht mehr durchblutet wird.
- Bei der fokussierten Ultraschalltherapie: wird das Myom von außen mit gebündelten Ultraschallwellen gezielt erhitzt und dadurch zerstört. Der Eingriff findet meist unter MRT-Kontrolle statt, damit die Wellen präzise auf das Myom gerichtet werden können.
- Die Radiofrequenzablation: ist ein neueres Verfahren. Dabei wird eine dünne Elektrode ins Myom eingeführt – entweder über die Vagina oder über kleine Schnitte im Bauchraum – und das Myomgewebe wird durch Wärme verödet und schrumpft.
Hinweis: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann gemeinsam mit Ihnen abwägen, welcher Weg für Sie am besten passt.
Schmerzmittel
Wenn die Schmerzen stark sind, braucht es manchmal einfach nur eines: schnelle Hilfe durch ein möglichst rasch wirkendes Schmerzmittel. Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) – zum Beispiel mit den Wirkstoffen Ibuprofen oder Diclofenac – können zwar die Myome nicht zum Verschwinden bringen, aber schwierige Tage deutlich erträglicher machen.
Gut leben mit Myomen: Was im Alltag helfen kann
Myome, die Beschwerden verursachen, können eine echte Belastung sein. Starke Blutungen, Krämpfe, das Gefühl, für Tage außer Gefecht gesetzt zu sein – das hat oft Auswirkungen auf den Beruf, das Privatleben, die Beziehung und nicht zuletzt auf das Selbstgefühl.
Was vielen Frauen helfen kann:
- Wärme: Eine Wärmflasche oder ein Heizkissen auf dem Unterbauch kann Krämpfe spürbar lindern.
- sanfte Bewegung: Yoga, Spazierengehen oder Dehnübungen können die Durchblutung anregen und Krämpfe etwas lockern. Aber zwingen Sie sich nicht dazu, wenn Ihnen nicht danach zumute ist.
- pflanzliche Mittel: Manche Frauen machen gute Erfahrungen mit pflanzlichen Präparaten wie Mönchspfeffer, Schafgarbe oder Tees mit krampflösenden Kräutern wie Frauenmantel oder Ingwer. Es gibt bisher keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Mittel speziell bei Myomen helfen. Trotzdem sind sie einen Versuch wert.
- Beschwerdetagebuch führen: Wenn Sie regelmäßig notieren, wann Sie welche Beschwerden haben (Stärke der Blutung, Schmerzen, Begleitsymptome), können Sie eventuell wiederkehrende Auslöser und Muster erkennen. Das sind auch wertvolle Informationen für Ihre Ärztin, Ihren Arzt und kann helfen, konkrete Lösungen zu finden.
- darüber reden: Offen mit der Frauenärztin, dem Partner oder einer guten Freundin über etwas zu sprechen, das Sie bekümmert, mag sich vielleicht zunächst „zu privat“ anfühlen – aber es kann sehr entlasten!
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Sie aufgrund dieser Informationen treffen, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Quellen
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- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2022). Transzervikale Radiofrequenzablation mit intrauteriner Ultraschallführung bei Uterusmyomen: Bewertung gemäß §137h SGB V; Auftrag H21-14. https://www.iqwig.de/download/h21-14_transzervikale-radiofrequenzablation-bei-uterusmyomen_bewertung-137h-sgb-v_v1-0.pdf
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2025). Myome der Gebärmutter. https://www.gesundheitsinformation.de/myome-der-gebaermutter.html
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