Adenomyose
Starke Regelschmerzen, eine Blutung, die kaum noch unter Kontrolle zu bringen ist, ein dumpfes Druckgefühl im Unterbauch – diese Beschwerden werden von vielen Frauen als „normal" abgetan. Es kann aber mehr dahinterstecken. Eine mögliche Ursache: Adenomyose. Noch nie gehört? Ja, diese Erkrankung ist nach wie vor viel zu wenig bekannt und viele Betroffene warten deshalb jahrelang auf eine Diagnose.

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Lesedauer 8 Min.
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23.9.2026

Was ist Adenomyose?
Adenomyose ist eine gynäkologische Erkrankung, bei der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) einwächst. Der Name kommt aus dem Griechischen – aden (Drüse), mys (Muskel) und -ose (krankhafte Veränderung) – und beschreibt ziemlich treffend, was passiert: Drüsengewebe verteilt sich dort, wo eigentlich nur Muskel sein sollte.
Die eingewachsenen Stellen werden als Adenomyose-Herde bezeichnet. Sie können sich entweder großflächig in der Muskelschicht ausbreiten (diffuse Adenomyose) oder auf eine Stelle begrenzt in einer knotenähnlichen Struktur auftreten (fokale Adenomyose). Die Folgen sind die gleichen: Die Gebärmutter verdickt und vergrößert sich und es kann zu starken Schmerzen kommen.
Wichtig: Adenomyose ist nicht dasselbe wie Endometriose – auch wenn beides verwandte Erkrankungen sind. Bei der inzwischen deutlich bekannteren Endometriose wächst Schleimhautgewebe außerhalb der Gebärmutter (z. B. an den Eierstöcken oder im Bauchraum). Beide Erkrankungen können aber gleichzeitig auftreten.
Ursachen und Risikofaktoren von Adenomyose
Warum sich eine Adenomyose entwickelt, ist noch immer nicht vollständig wissenschaftlich geklärt. Vermutet werden mehrere Einflussfaktoren:
- hormonelle Einflüsse: Östrogen (eines der wichtigsten weiblichen Sexualhormone) scheint das Wachstum von Adenomyose-Gewebe zu begünstigen.
- Verletzungen der Grenzschicht: An der Übergangszone zwischen Schleimhaut und Muskel können durch Operationen oder chronische Entzündungen winzige Verletzungen entstehen, sodass Schleimhautgewebe in die Muskelschicht eindringen kann.
- Schwangerschaften und Eingriffe an der Gebärmutter: Mehrere Geburten sowie operative Eingriffe wie ein Kaiserschnitt, eine Ausschabung oder die Entfernung eines Myoms (gutartiger Muskelknoten in der Gebärmutterwand) gelten als Risikofaktoren.
- genetische Veranlagung: Adenomyose tritt in manchen Familien gehäuft auf, was auf eine erbliche Komponente hindeutet. Gene, die dabei eine gesicherte Rolle spielen, wurden bislang jedoch nicht identifiziert.
Symptome der Adenomyose
Adenomyose kann sich sehr unterschiedlich äußern. Einige betroffene Frauen bemerken keine oder kaum Symptome, andere werden davon stark geplagt. Die häufigsten Beschwerden sind:
- heftige, krampfartige Schmerzen vor und während der Regelblutung (Dysmenorrhoe),
- sehr starke und verlängerte Regelblutung (Hypermenorrhoe),
- Schmerzen beim Sex (Dyspareunie),
- ein Druckgefühl oder Schmerzen im Unterbauch, auch außerhalb der Periode,
- Erschöpfung,
- manchmal auch ein unerfüllter Kinderwunsch.
Sind starke Regelschmerzen normal?
Regelschmerzen gehören zum Leben vieler Frauen einfach dazu. Sie gelten meistens als völlig „normal“ – bei den betroffenen Frauen selbst und auch in ihrem Umfeld. Aber wenn die Schmerzen über Jahre hinweg stärker werden, regelmäßig starke Schmerzmittel notwendig sind oder die Blutung so stark ist, dass sie den Alltag bestimmt – dann verdient das medizinische Aufmerksamkeit.
Hören Sie auf Ihr Gefühl, nehmen Sie Ihre Beschwerden ernst und bestehen Sie darauf, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das auch tut. Sind Sie unsicher oder fühlen Sie sich nicht verstanden, sollten Sie eine zweite Meinung einholen – möglichst in einer auf Endometriose und Adenomyose spezialisierten gynäkologischen Praxis oder einem entsprechenden medizinischen Zentrum.
Adenomyose und Fruchtbarkeit
Adenomyose kann die Fruchtbarkeit nachweislich negativ beeinflussen – und zwar:
- die Einnistung eines Embryos in die Gebärmutterschleimhaut erschweren,
- das Risiko einer Fehlgeburt leicht erhöhen,
- die Erfolgsraten bei künstlicher Befruchtung (IVF) senken.
Aber: Die Studienlage zu diesem Thema ist noch jung und nicht eindeutig. Es gibt Frauen mit ausgeprägter Adenomyose, die problemlos schwanger werden – und andere, die vergeblich auf ein Baby hoffen. Eine für alle Fälle geltende Aussage lässt sich also nicht treffen.
Wenn Sie sich ein Kind wünschen und eine Adenomyose diagnostiziert wurde – lassen Sie sich am besten von einer mit diesem Thema erfahrenen Ärztin oder einem Arzt ausführlich beraten. Wie stark Ihre Erkrankung die Fruchtbarkeit beeinflusst, hängt von vielen individuellen Faktoren ab – zum Beispiel von der Lage und Ausbreitung der Herde, Ihrem Alter und vorangegangenen Schwangerschaften. Außerdem können Sie sich informieren über medikamentöse und operative Möglichkeiten, die Ihre Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern.
Wie wird Adenomyose diagnostiziert?
Adenomyose ist eine der Erkrankungen, bei denen der Weg zur Diagnose leider oft lang ist. Im Durchschnitt dauert es aktuell mehrere Jahre, bis betroffene Frauen endlich die Ursache ihrer Beschwerden kennen. Das liegt zum einen daran, dass die Symptome unspezifisch sind, und zum anderen, dass die Erkrankung lange unterschätzt wurde.
Der Diagnoseprozess
Der erste Schritt ist immer ein ausführliches Gespräch über Ihre Beschwerden: Wie stark sind die Regelschmerzen? Seit wann? Wie stark sind die Blutungen? Ist der Sex schmerzhaft? Diese Informationen helfen der Ärztin oder dem Arzt bei der Verdachtsdiagnose.
Das wichtigste diagnostische Werkzeug ist der transvaginale Ultraschall, bei dem ein schmaler Ultraschallkopf in die Vagina eingeführt wird. Erfahrene Ärztinnen und Ärzte können dabei typische Zeichen der Adenomyose (z.B. kleine Zysten im Muskelgewebe oder eine verdickte, unregelmäßige Muskelschicht) erkennen. Zusätzlich, etwa bei unklaren Befunden, kann auch ein MRT (Magnetresonanztherapie) eingesetzt werden.
Wie wird Adenomyose behandelt?
Heilen lässt sich eine Adenomyose derzeit nur durch die operative Entfernung der Gebärmutter – ein großer Eingriff mit entsprechenden Risiken. Für viele Frauen kommt er nicht infrage. Es gibt aber medikamentöse und chirurgische Behandlungsmöglichkeiten, mit denen die Symptome und Folgen der Erkrankung deutlich gelindert werden können. Bei der Wahl der in Ihrem Fall besten Therapie spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Wie stark sind Ihre Beschwerden? Wie ausgeprägt ist Ihre Erkrankung? Wie alt sind Sie? Möchten Sie noch schwanger werden?
Hormonelle Therapie
Hormonelle Therapie
Verschiedene Hormonpräparate können eine Adenomyose deutlich erträglicher machen. Sie alle verhüten eine Schwangerschaft, sind also bei akutem Kinderwunsch nicht geeignet. Folgende Mittel werden in der Praxis eingesetzt:
- Hormonspirale:
- gibt direkt in der Gebärmutter das Gestagen Levonorgestrel ab und wirkt damit gezielt vor Ort,
- kann Schmerzen reduzieren und die Blutungsstärke vermindern,
- gilt als eine der wirksamsten Optionen, wenn eine Entfernung der Gebärmutter nicht infrage kommt.
- Gestagenpräparate (Minipille):
- enthalten künstlich hergestellte Gelbkörperhormone, die das Wachstum von Adenomyose-Gewebe hemmen und Schmerzen sowie Blutungsstörungen reduzieren können,
- führen, vor allem zu Beginn der Einnahme, häufig zu unregelmäßigen Zwischenblutungen.
- Kombinierte orale Kontrazeptiva (Pille):
- regulieren den Hormonspiegel und können dadurch Schmerzen und starke Blutungen lindern,
- haben allerdings eine geringere Wirkung als Gestagenpräparate.
- GnRH-Analoga:
- senken den Östrogenspiegel und können dadurch Schmerzen, Blutungsstärke und Gebärmuttergröße reduzieren,
- beeinflussen positiv die Schwangerschaftsrate nach der Therapie,
- werden wegen möglicher Nebenwirkungen (Knochendichteverlust, Wechseljahresbeschwerden) nur zeitlich begrenzt eingesetzt.
- Aromatasehemmer:
- blockieren die körpereigene Östrogenproduktion,
- werden aufgrund möglicher Nebenwirkungen (Gelenk- und Muskelschmerzen, Wechseljahresbeschwerden, Knochenschwund, Entstehung von Eierstockzysten) nur eingeschränkt empfohlen.
Gut zu wissen: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen können Regelschmerzen akut lindern – sie behandeln aber nicht die Ursache.
Interventionelle Therapie
Interventionelle Therapie
- chirurgische Entfernung von Adenomyose-Herden:
In bestimmten Fällen besteht die Möglichkeit, befallene Bereiche der Gebärmuskelwand operativ zu entfernen und damit intensive Schmerzen und/oder Blutungen zu reduzieren. Dieser Eingriff sollte nur in medizinischen Zentren oder Kliniken vorgenommen werden, die Erfahrung mit der Behandlung von Anedomyose haben. - radiologische Therapieformen (Embolisation, Elektroablation, hochfrequentierter gebündelter Ultraschall):
Adenomyose-Herde werden durch Hitze oder andere Energie zerstört. Für die Wirksamkeit gibt es aber bisher keine klaren Belege. Daher sollten diese Behandlungsformen zunächst nur in kontrollierten medizinischen Studien angewendet werden.
Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)
Die Entfernung der Gebärmutter ist die einzige Behandlung, die Adenomyose und Endometriose endgültig beseitigt. Sie kann eine echte Erleichterung für Frauen sein, die unter starkem Leidensdruck stehen und ihren Kinderwunsch abgeschlossen haben.
Da es sich um einen operativen Eingriff handelt, sollte die Entscheidung gut durchdacht sein – und das gilt nicht nur medizinisch. Der Abschied von der Gebärmutter kann emotional sehr viel bedeuten, unabhängig vom Alter oder davon, ob man Kinder bekommen hat oder nicht. Viele Frauen beschreiben gemischte Gefühle: Erleichterung auf der einen, ein Gefühl von Verlust auf der anderen Seite.
Wichtig: Es gibt nicht die eine richtige Therapie. Ein ausführliches Gespräch mit einer erfahrenen Gynäkologin oder einem erfahrenen Gynäkologen – idealerweise in einem medizinischen Zentrum, einer Facharztpraxis oder einer Klinik mit Schwerpunkt Endometriose/Adenomyose – hilft Ihnen, die für Sie passende Entscheidung zu treffen.
Tipps für den Alltag mit Adenomyose
Der Alltag mit Adenomyose kann sehr herausfordernd sein – körperlich und emotional. Neben der medizinischen Behandlung gibt es aber sehr effektive Ansätze, mit denen Sie sich selbst helfen können.
- Wärme bei Schmerzen: Eine Wärmflasche, ein Kirschkernkissen oder ein heißes Bad können die Muskulatur entspannen und Krämpfe lindern.
- Schmerzen managen: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen können bei starken Regelschmerzen helfen. Zeitpunkt und Dosierung sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen. Auch TENS – eine Methode, bei der schwache elektrische Impulse die Schmerzweiterleitung hemmen – kann manchen Frauen Linderung bringen.
- Ernährung anpassen: Aus der Forschung gibt es einige Hinweise, dass eine entzündungshemmende Ernährung die Beschwerden positiv beeinflussen kann. Das bedeutet: viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus fettem Fisch oder Leinsamen), aber weniger stark verarbeitete Lebensmittel und Zucker.
- Sanfte Bewegung: Leichte Aktivitäten wie Schwimmen, Yoga oder Spazierengehen können die Durchblutung fördern und die Muskulatur lockern – auch wenn es an schlechten Tagen schwerfällt.
- Unterstützung suchen: Viele Frauen versuchen – aus falscher Scham oder Unwissenheit – allein mit ihren Schmerzen zurechtzukommen. Sie machen es sich unnötig schwerer. Denn Unterstützung aus dem Umfeld, Selbsthilfegruppen oder aktive Online-Communitys (z. B. auf Instagram oder in Foren) können enorm entlasten.
- Psychotherapeutische Unterstützung: Chronische Schmerzen lassen sich aktiv beeinflussen – eine Schmerzpsychotherapie oder kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, den Umgang mit Schmerzen zu erlernen und die Lebensqualität spürbar zu steigern.
Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Sie aufgrund dieser Informationen treffen, erfolgen auf eigene Verantwortung.
Quellen
Quellen
Chapron, C., Vannuccini, S., Santulli, P., Abrão, M. S., Carmona, F., Fraser, I. S., Gordts, S., Guo, S. W., Just, P. A., Noël, J. C., Pistofidis, G., Van den Bosch, T., Petraglia, F. (2020) Diagnosing adenomyosis: an integrated clinical and imaging approach. Hum Reprod Update 26(3). 392-411. https://doi.org/10.1093/humupd/dmz049
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG), Stiftung Endometriose Forschung (SEF), & Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG). (2023). S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Endometriose (AWMF-Registernummer 015-045). Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-045.html
Dueholm, M. (2017). Uterine adenomyosis and infertility, review of reproductive outcome after in vitro fertilization and surgery. Acta Obstet Gynecol Scand 96(6). 715-726. https://doi.org/10.1111/aogs.13158
Endometriose-Vereinigung Deutschland e. V. (o. D.). Adenomyose – eine unterschätzte Erkrankung der Gebärmutter. Abgerufen am 28. April 2026 unter: https://www.endometriose-vereinigung.de/blog/adenomyose-eine-unterschaetzte-erkrankung-der-gebaermutter/
Younes, G., Tulandi, T. (2017). Effects of adenomyosis on in vitro fertilization treatment outcomes: a meta-analysis. Fertil Steril 108(3). 483-490. https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2017.06.025
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