Eierstockzysten

Vielleicht wurde bei Ihnen oder einer Freundin gerade eine Eierstockzyste festgestellt oder Ihr Arzt, Ihre Ärztin hat vor Kurzem Zysten als mögliche Ursache für Ihr wiederkehrendes Bauchweh erwähnt – und nun fragen Sie sich: Was sind eigentlich Zysten? Kann man trotzdem schwanger werden? Können sie gefährlich werden? Müssen sie entfernt werden?  

Hier finden Sie Antworten auf Ihre Fragen und viele weitere Informationen. Aber vorab schon so viel zum Thema: Eierstockzysten kommen sehr häufig vor und sind in den allermeisten Fällen harmlos. 

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22.9.2026

Sitzende Person im Oberkörper- und Beinbereich, trägt ein schwarzes Ärmelloses Top und graue Stoffhose, rechte Hand liegt flach auf dem Unterbauch, linkes Bein angewinkelt auf einer dunklen Couch

Was sind Eierstockzysten?

Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Bläschen, die sich an vielen Stellen im Körper bilden können – hormonell oder genetisch bedingt oder auch als Folge von Entzündungen. Zysten an den Eierstöcken heißen in der medizinischen Fachsprache Ovarialzysten.

Sie können sehr unterschiedlich groß sein – in Ausnahmefällen sogar bis zu 30 Zentimetern und damit riesengroß im Vergleich zu den walnusskleinen Eierstöcken. Die meisten sind aber nur ein bis drei Zentimeter klein, gutartig und machen keinerlei Beschwerden. Schätzungen zufolge haben etwa 10 von 100 Frauen Eierstockzysten.

Typische Symptome

Eierstockzysten sind oft stille Begleiter. Die meisten werden zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt, ohne dass die betroffene Frau jemals etwas gespürt hätte. Wenn Zysten sich aber bemerkbar machen, sind dies die häufigsten Zeichen:

  • Schmerzen im Unterbauch: typischerweise ein dumpfes, ziehendes Gefühl – oft auf einer Seite, manchmal auch schwer zu lokalisieren.
  • Zyklusstörungen: Dazu zählen stärkere oder schwächere Regelblutungen als gewöhnlich, ausbleibender Zyklus oder leichte Blutungen außerhalb der Periode (Schmierblutungen).
  • Beschwerden durch Druck auf Nachbarorgane: Wächst eine Zyste, kann sie mit der Zeit auf Blase oder Darm drücken. Mögliche Folgen sind ein Druckgefühl im Bauch, häufiger Harndrang, Beschwerden beim Wasserlassen oder gelegentliche Verstopfung. Auch eine sichtbare Bauchschwellung ist bei sehr großen Zysten möglich.

Welche Arten von Eierstockzysten gibt es?

Wenn sich in den Eierstöcken Zysten bilden, hängt das in den allermeisten Fällen mit der Hormonaktivität in den fruchtbaren Jahren zusammen: Die kleinen Drüsen im Unterbauch stellen jeden Monat reife Eizellen für eine eventuelle Befruchtung bereit, produzieren die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron und steuern damit den Monatszyklus. Zysten, die im Zusammenhang mit diesen hormonellen Schwankungen entstehen, heißen in der medizinischen Fachsprache „funktionelle Zysten“. Damit ist auch klar, warum sie vor allem in der Pubertät und während der Wechseljahre auftreten.

Die große Mehrheit aller Eierstockzysten ist klein, gutartig und bildet sich innerhalb weniger Wochen bis Monate zurück, ohne jemals Beschwerden verursacht zu haben.

Hier ein Überblick über die verschiedenen Formen von Ovarialzysten:

Follikelzysten

Bei einer Frau in den fruchtbaren Jahren reift jeden Monat in einem der Eierstöcke ein Eibläschen (Follikel) heran – eine Art schützende Hülle, in der die Eizelle wächst. Kurz vor dem Eisprung platzt dieser Follikel und gibt die Eizelle frei. Bleibt der Eisprung aus irgendeinem Grund aus, kann sich der Follikel stattdessen mit Flüssigkeit füllen – und schon ist eine Zyste entstanden.  

Gelbkörperzyste (Corpus-luteum-Zyste)

Nach dem Eisprung verwandelt sich der geleerte Follikel in den sogenannten Gelbkörper (Corpus luteum). Er ist der Hauptproduzent der beiden Hormone Progesteron und Östrogen und reguliert so den Zyklus. Manchmal sammelt sich aber Blut im Gelbkörper an, und es bildet sich eine Gelbkörperzyste.  

Luteinzysten

Nach dem Eisprung verwandelt sich der geleerte Follikel in den sogenannten Gelbkörper (Corpus luteum). Er ist der Hauptproduzent der beiden Hormone Progesteron und Östrogen und reguliert so den Zyklus. Manchmal sammelt sich aber Blut im Gelbkörper an, und es bildet sich eine Gelbkörperzyste.  

Endometriosezyste/Schokoladenzysten

Eine besondere Form ist die sogenannte Endeometriosezyste, die durch Endometriose entsteht – eine chronische Erkrankung, bei der sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter ansiedelt, zum Beispiel an den Eierstöcken. Dort kann sich dieses Gewebe zu einer Zyste entwickeln, die sich mit altem, dunkelbraunem Blut füllt – daher der Name „Schokoladenzyste“.  

Diese Zysten gehen leider nicht von allein weg. Ob und wann sie entfernt werden sollten, ist eine individuelle Entscheidung und hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie Kinderwunsch, Beschwerden und möglichen Grunderkrankungen. 

Zysten des Polyzystischen Ovarsyndroms (PCOS)

PCOS ist eine häufige Hormonstörung. Dabei produziert der Körper zu viele männliche Sexualhormone (Androgene) – es kommt zu einem hormonellen Ungleichgewicht. Das stört den Eisprung: Viele kleine Follikel reifen (unvollständig) heran, können aber nicht aufplatzen. Sie bleiben sozusagen stecken und sammeln sich an. Im Ultraschall sehen diese unreifen Follikel (streng genommen sind es keine Zysten) aus wie Perlen auf einer Schnur.  

Dermoidzysten

Dermoidzysten sind keine funktionellen Zysten – sie haben also nichts mit Hormonen zu tun. Sie sind meistens angeboren und entstehen aus Keimzellen (Zellen, aus denen sich bei Frauen Eizellen und bei Männern Spermien entwickeln). Was sie so ungewöhnlich macht: Sie können Gewebe enthalten, das eigentlich nicht in den Eierstock gehört – zum Beispiel Haare, Knochen, Zähne oder Muskelgewebe. Das klingt erst einmal beunruhigend, ist es aber nicht – Dermoidzysten sind fast immer gutartig. Da sie sich nicht von selbst auflösen, sondern langsam weiterwachsen, werden sie in der Regel im Rahmen einer Bauchspiegelung entfernt. 

Folgen von Eierstockzysten

Viele Frauen schrecken bei der Diagnose Eierstockzysten erst mal zusammen, zu groß ist die spontane Sorge, die Zysten könnten platzen oder sogar bösartig werden. In den allermeisten Fällen ist diese Sorge jedoch völlig unbegründet: Die große Mehrheit der Ovarialzysten verschwindet wieder, ohne dass man es überhaupt bemerkt. Nur in sehr seltenen Fällen kann es zu folgenden Komplikationen kommen:

Ruptur: Wenn eine Zyste platzt

Die Wand einer Zyste kann einreißen, und die enthaltene Flüssigkeit fließt in den Bauchraum. Das klingt dramatischer als es meistens ist: Eine Ruptur kündigt sich durch einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Bauch an – oft auf einer Seite. In den meisten Fällen ist das zwar unangenehm, aber medizinisch harmlos, denn der Körper baut die Flüssigkeit aus der Zyste einfach ab.

Stieldrehung: Wenn sich der Eierstock verdreht

Ebenfalls selten, aber gut zu wissen, dass es das gibt: Wenn eine Zyste groß genug ist, führt ihr Gewicht manchmal dazu, dass sich der gesamte Eierstock um seine eigene Achse dreht. Ausgelöst wird das zum Beispiel durch sehr ruckartige Bewegungen, etwa beim Sport. Weil die Blutversorgung des Eierstocks dadurch unterbrochen werden kann, muss eine Stieldrehung möglichst schnell behandelt werden.

Glücklicherweise ist der weibliche Körper klug genug, um Alarm zu schlagen: Plötzliche, quälende Bauchschmerzen, oft begleitet von Übelkeit oder Erbrechen, können zwar viele unterschiedliche Ursachen haben – aber sie sind immer ein Zeichen, das Sie ernst nehmen sollten. Suchen Sie bitte rasch ärztliche Hilfe auf.

Kann ich trotz Eierstockzysten schwanger werden? 

Mit großer Wahrscheinlichkeit – ja! Die meisten Frauen mit Eierstockzysten können problemlos schwanger werden und haben komplikationslose Schwangerschaften – das gilt ganz besonders, wenn es sich bei ihnen um kleine, funktionelle Zysten handelt. 

Sehr große Zysten können zwar theoretisch den Eisprung oder den Eileiter beeinflussen, in der Praxis kommt das jedoch selten vor und lässt sich darüber hinaus gut behandeln. 

Bei durch Endometriose oder PCOS entstandenen Zysten stellt sich die Situation etwas anders dar: Zwar weniger die Zysten selbst, aber die ursächlichen Erkrankungen können die Fruchtbarkeit beeinflussen. Doch auch hier gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten. 

Wie werden Eierstockzysten festgestellt?

Die Diagnose ist in den meisten Fällen unkompliziert und geht schnell. In der Regel steht an erster Stelle ein ausführliches Gespräch: Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie nach Ihrem Zyklus, möglichen Schmerzen und anderen Beschwerden fragen. Erzählen Sie ruhig alles, was Ihnen aufgefallen ist – auch Dinge, die Ihnen vielleicht nebensächlich erscheinen.

Bei Verdacht folgt meist eine Tastuntersuchung, denn größere Zysten lassen sich manchmal bereits von außen ertasten. Das wichtigste Werkzeug ist aber der Ultraschall über die Vagina (sogenannte transvaginale Sonografie). So lassen sich Zysten sehr präzise darstellen, vermessen und einschätzen. Die meisten werden übrigens genau auf diesem Weg entdeckt – ganz zufällig, bei einer Routineuntersuchung.

Manchmal wird ergänzend Blut abgenommen. Weitergehende Untersuchungen wie eine Computertomografie (CT) oder eine Bauchspiegelung – bei der mit einer kleinen Kamera in den Bauchraum geschaut wird – sind die Ausnahme. Sie werden nur eingesetzt, wenn eine Zyste Merkmale zeigt, die sich nicht auf den ersten Blick eindeutig von bösartigen Veränderungen unterscheiden lassen.

Behandlung: Abwarten oder handeln?

Abwarten und beobachten – das ist tatsächlich die häufigste Empfehlung bei kleinen, unkomplizierten, funktionellen Zysten. Denn meistens löst sich das Problem von selbst: Die Zyste bildet sich zurück. Manche Zysten bleiben zwar, sind aber klein und harmlos und deshalb kein Grund zur Sorge. In beiden Fällen reichen regelmäßige Ultraschallkontrollen aus – einfach um im Blick zu behalten, dass sich nichts verändert.

Sollte die Zyste sich aber verändern oder anhaltende Beschwerden verursachen, kann eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) sinnvoll sein. Dabei wird die Zyste genauer untersucht und, wenn nötig, gleich vor Ort entfernt. Allerdings können sich nach einer Entfernung erneut Zysten bilden. 

Nur in seltenen Fällen empfehlen Ärztinnen und Ärzte, einen oder sogar beide Eierstöcke zu entfernen – zum Beispiel bei Krebsverdacht oder wenn sich eine verdächtig veränderte Zyste nicht vom Gewebe lösen lässt. 

Gut zu wissen: Manche Frauenärztinnen und Frauenärzte empfehlen bei Zysten an den Eierstöcken die Antibabypille. Sie verhindert den Eisprung, aber die damit verbundene Hoffnung, dass Zysten dadurch schneller verschwinden, hat sich in Studien nicht bestätigt.

Tipps für den Alltag

Eine Zyste am Eierstock – und jetzt? Medizin und Arztgespräche sind wichtig, keine Frage. Aber zwischen den Terminen sind viele Frauen mit ihrem Körper und ihren Unsicherheiten erst einmal allein. Was hilft, wenn es zieht oder schmerzt? Was tut dem Körper gut und was vielleicht nicht? Es gibt ein paar Dinge, die Ihren Alltag etwas leichter machen können.

  • Wärme bei Schmerzen: Wenn Zysten sicher der Grund für die Schmerzen sind, kann eine Wärmflasche oder ein Heizkissen auf dem Unterbauch wohltuend sein. Auch ein warmes Bad kann Krämpfe entspannen.
  • Schmerzmedikamente bei Bedarf: Bei Schmerzen können vorübergehend Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen.
  • Bewegung mit Bedacht: Sport ist grundsätzlich gut für die Gesundheit – auf allen Ebenen. Wurden bei Ihnen sehr große Zysten festgestellt, sollten Sie allerdings sehr ruckartige oder intensive Bewegungen vermeiden. Das Risiko einer Stieldrehung steigt damit zwar nicht dramatisch, aber es ist vernünftig, achtsam zu sein.

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung. Wenn Sie Fragen haben oder unsicher sind, wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine andere qualifizierte Fachkraft. Entscheidungen, die Sie aufgrund dieser Informationen treffen, erfolgen auf eigene Verantwortung.

Quellen

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